Teegärten im Nebel

Darjeeling ist bekannt für hervorragenden Tee aber dennoch versteckt genug so dass nur wenige westliche Touris ihren Weg dorthin finden – zwei hervorragende Gründe für uns Teeliebhaber hin zu fahren und zu versuchen einen Blick auf die Himalayas zu erhaschen. Wir haben beide einige Dokus über die Rgion gesehen und haben uns von den Teeplantagen, der bergigen Region, dem atemberaubenden Blick auf die Himalayas und nicht zuletzt den Menschen angesprochen gefühlt und so landete Darjeeling auf unserer Liste. Als wir die Reise vorbereitet haben, mussten wir uns für einen der zwei möglichen Transportwege entscheiden: 17 Stunden mit dem Zug + 8 Stunden mit einer kleinen Bergbahn oder 2 Stunden Flug + eine unbestimmte Zeit im Taxi… Bequem wie wir sind, haben wir uns die 25 Stunden in Zügen gespart und sind geflogen 😉 In Bagdogra (jaaa, so heißt der nächstgelegen Flughafen) angekommen wurden wir von unserem Fahrer empfangen – er fuhr einen ernstzunehmenden Geländewagen, was die Route vor uns erahnen ließ. Als wir die Abholung organisiert haben, wurde uns gesagt, dass die Tour 35€ kosten würde, was eine absolute Abzocke für die etwa 20 km lange Strecke ist… wir konnten ja nicht ahnen, dass es fast vier Stunden dauert um hin zu kommen! Der Fahrer hat sein Können und die Kenntnis der Strecke auch gleich zu Beginn unter Beweis gestellt. Als es anfing zu schütten wie aus Eimern fuhr er routiniert rechts ran, holte ein kleines Päckchen, das sich später als Seife herausstellte unter dem Sitz hervor, rieb damit die Windschutzscheibe ein und fuhr weiter als ob nichts wäre – Scheibenwischer sind völlig überbewertet! Wir haben nichts mehr gesehen, aber der Fahrer hatte ein Bild des Dalai Lama an der Windschutzscheibe und noch ein Paar Hindu Gottheiten auf dem Armaturenbrett, wir waren also in Sicherheit :D. Je höher wir kamen (Darjeeling liegt in 2200m Höhe), desto dicker wurde der Nebel und es wurde phasenweise komplett dunkel als wäre die Sonne untergegangen, die Sicht ging runter auf unter zwei Meter und dann wurde es plötzlich wieder hell. Da die Straße sehr eng ist und man nichts sehen konnte, machen die Fahrer durch regelmäßiges Hupen auf sich aufmerksam – nervt gar nicht über vier Stunden hinweg… Aber hey, auch wenn der Weg anstrengend war, sind wir immer noch hier und schreiben das hier, scheint also zu funktionieren. 😀 Nach vier Stunden erreichten wir endlich Darjeeling und das erste Gefühl war- Ist das kalt hier! Nachdem wir in Agra und Jaipur Temperaturen von über 30°C hatten, wurden wir hier auf einmal schockgefrostet!

Wie jedes andere Gebäude, das wir in Indien gesehen haben war auch unser Hotel weder isoliert, noch hatte es eine Heizung. Und um die Durchlüftung zu verbessern waren in den Wänden zwischen dem Zimmer und dem Gang aber auch zwischen dem Zimmer und dem Bad Netze eingelassen (statt Wand), was die Temperatur im Hotel auf angenehme Außentemperaturen nicht weit über dem Gefrierpunkt regulierte. Zum Glück hat uns das Hotel zusätzliche Decken und einen Heizstrahler gegeben, so dass wir uns zumindest etwas aufwärmen konnten. Im Hotel trug jeder einfach dicke Jacken, denn selbst im Restaurant wehte ein frischer Wind.

Wir haben beschlossen für vier Nächte in Darjeeling zu bleiben um vom Lärm und Staub der Großstädte weg zu kommen, etwas auszuspannen und die Aussichten zu genießen. Und Darjeeling  ist tatsächlich ein entspanntes verschlafenes Städtchen (für Indische Verhältnisse). Man kann hier durch die Straßen spazieren, ohne ständig von irgendwelchen Verkäufern belästigt zu werden, doch das Gehupe ist auch hier leider omnipräsent. Doch was noch störender war, war das Wetter! Denn der Nebel hat die ganze Sicht genommen und wir konnten nicht mal das andere Ende der Stadt sehen, geschweige denn die Himalayas.

Da wir also die Naturschönheiten nicht sehen konnten, haben wir beschlossen dem Britischen Kolonialerbe zu frönen und sind zu einem Hotel gelaufen, das klassischen Nachmittagstee mit Sandwiches, Törtchen und einem Gefühl serviert als säße man irgendwo im Zentrum von London. Als wir da alleine in einem riesigen Raum in Kolonialstil mit großen Sofas, Sesseln und einem echten Kamin (der extra für uns angefeuert wurde) saßen, konnten wir gut nahfühlen, wie wichtig die Briten sich gefühlt haben müssen. 😀 Wir haben den Nachmittag also gut mit lokalen Teespezialitäten und britischen Nachmittagssnacks gefüllt und haben uns seit Tagen das erste Mal richtig aufgewärmt – eine sehr gut Art einen Schlechtwettertag zu verbringen und sich wichtig zu fühlen!

Am nächsten Morgen mussten wir mitten in der Nacht aus dem Bett (es war 03:30!!!), denn wir haben einen Ausflug zum Tiger Hill gebucht- dem höchsten Gipfel der Gegend, der für spektakuläre Aussichten auf die Himalayas bekannt ist (bei gutem Wetter kann man sogar den Everest sehen) und sich vor allem zu Sonnenaufgang anbietet. Wir haben unseren Fahrer gebeten, uns schon um vier Uhr abzuholen, um vor den Menschenmassen dort zu sein, denn der Platz auf dem Gipfel ist limitiert und der Ort ist leider kein Geheimtipp. Generell scheinen alle Besucher zur gleichen Zeit an den gleichen Sehenswürdigkeiten zu sein, so dass diese oft überlaufen sind. Als wir oben ankamen (wir waren tatsächlich unter den ersten) war die unglaubliche Menge der Sterne, die man sehen konnte einfach atemberaubend! Wir sind vom Parkplatz zur Aussichtsplattform gelaufen und konnten das erste Mal die Milchstraße mit den eigenen Augen sehen! Wir waren sprachlos! Um allen Besuchern einen Platz zu bieten, wurde auf dem Gipfel eine Struktur ähnlich einem Amphitheater errichtet, aber statt dort Platz zu nehmen (und uns schockfrosten zu lassen), haben wir einen lokalen Guide gefragt, wo denn die Berge am Horizont erscheinen würden und haben unser Stativ entsprechend ausgerichtet. Dann begann das bange Warten auf die Sonne und vor allem das Frieren, denn die Temperatur war um den Gefrierpunkt und wir haben uns kaum bewegt. Als die Sonne anfing den Himmel zu verfärben, kamen immer mehr Besucher so dass der Gipfel irgendwann komplett überfüllt war. Doch das seltsamste war – Alle anderen haben die Sonne bei ihrem Aufgang beobachtet und wir waren die einzigen, die davon fasziniert waren, wie die Gipfel am Horizont (inkl. Kangchenjunga, dem dritthöchsten Gipfel der Welt) langsam in warmes rotes Licht getaucht wurden. 🙂 Dieser Ausblick machte das frühe Aufstehen und das Frieren gleich wieder wett und als wir wieder im Hotel waren, haben wir den fehlenden Schlaf nachgeholt. Ausgeruht und etwas aufgewärmt, sind wir zum Bahnhof der berühmten Himalaya Eisenbahn geschlendert, die im 19. Jahrhundert von den Briten dort installiert wurde und immer noch fast unverändert in Betrieb ist. Die alten Dampflocks sind wirklich beeindruckend, aber da wir die Strecke am Morgen bereits mit dem Jeep abgefahren sind und uns klar war, dass wir wieder nichts von der Landschaft sehen würden (blöder Nebel! 🙁 ), haben wir beschlossen keine Zeit und Geld darauf zu verschwenden und sind stattdessen für wieder in ein koloniales Café/Restaurant gegangen um Lunch / Nachmittagstee zu genießen und uns wieder etwas aufzuwärmen. The Glenaries bietet ebenfalls eine fantastische Aussicht auf die Berge und die Teegärten… wenn das Wetter mal mitspielt… Wir haben einfach nur den Tee  mit einem Stück Torte genossen.

Eine Sehenswürdigkeit stand noch auf unserer Liste: Die Darjeeling Seilbahn, die in einer halbstündigen Fahrt einen Höhenunterschied von ca. 1800m überwindet und ebenfalls spektakuläre Aussichten verspricht – immerhin war das Wetter gütig zu uns und wir konnten zumindest die Teebedeckten Hügel sehen.

Über die Tage hat sich einiges auf unserer Zimmerrechnung angesammelt, was aus unerfindlichen Gründen nicht mit Kreditkarte bezahlt werden konnte. Da unsere Barreserven stetig schmolzen, mussten wir langsam frisches Bargeld organisieren, was auch bisher kein Problem war, da selbst im tiefsten Dschungel Geldautomaten stehen, die ausländische Kreditkarten akzeptieren. Aber Darjeeling war hier auch etwas speziell… Um die Situation zu verstehen, muss man wissen, dass einige Monate vor unserem Besuch, die gegen Korruption kämpfende Indische Regierung beschlossen hat, einige der gängigsten Geldscheine über Nacht zu entwerten. Von einem Tag auf den nächsten wurden die Scheine ohne Vorankündigung nicht mehr akzeptiert und Menschen verloren riesige Mengen ihrer Unter-dem-Kissen Ersparnisse. Der zweite Teil der Katastrophe bestand darin, dass die Zentralbank es verpasst hat neue Scheine in ausreichender Menge herzustellen und zu verteilen, was zu Bargeldknappheit im ganzen Land führte. Dieses Problem hat uns bisher nicht betroffen – bisher. In Darjeeling waren die meisten Bankautomaten nur für ein Paar Stunden pro Tag geöffnet und hatten meistens eh kein Bargeld. Das ging so weit, dass Michael am Tag vor der Abreise zu jedem Geldautomaten gelaufen ist um zu sehen, ob Geld da ist. Nachdem ihm gesagt wurde, dass die Automaten am Nachmittag Geld haben würden, hat er den Spaziergang wiederholt – ohne Erfolg. Die einzige Bank im Umkreis, die Geld zu haben schien, war die Staatsbank. Das konnte man daran erkennen, dass sich bereits lange vor Öffnung der Bank eine Schlange von über 400m Länge gebildet hat. Zum Glück waren wir auf so eine Situation vorbereitet und hatten US Dollar dabei, die unser Hotel mit Freude für uns getauscht bzw. als Zahlung für die Zimmerrechnung akzeptiert hat, was Michael das Schlange stehen erspart hat.

Früh morgens am nächsten Tag packten wir unsere Rucksäcke und es ging weiter zu unserem nächsten Abenteuer – Nepal!

Oh, und noch etwas für die Teeliebhaber unter euch, wir müssen leider eure Base platzen lassen: Darjeeling ist eine relativ kleine Region und es gibt nur eine begrenzte Zahl von Teegärten auf den Bergen. Die Wahrscheinlichkeit ist also ziemlich hoch, dass der Darjeeling Tee, den ihr so im Supermarkt kauft entweder aus den ebenen unterhalb Darjeelings (im besten Fall) oder von irgendwo ganz anders kommt.

 
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