{"id":272,"date":"2017-04-11T14:31:50","date_gmt":"2017-04-11T14:31:50","guid":{"rendered":"http:\/\/memoriesaresouvenirs.com\/?p=272"},"modified":"2017-06-05T06:57:34","modified_gmt":"2017-06-05T06:57:34","slug":"teegarten-im-nebel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/memoriesaresouvenirs.com\/?p=272&lang=de","title":{"rendered":"Teeg\u00e4rten im Nebel"},"content":{"rendered":"<p>Darjeeling ist bekannt f\u00fcr hervorragenden Tee aber dennoch versteckt genug so dass nur wenige westliche Touris ihren Weg dorthin finden \u2013 zwei hervorragende Gr\u00fcnde f\u00fcr uns Teeliebhaber hin zu fahren und zu versuchen einen Blick auf die Himalayas zu erhaschen. Wir haben beide einige Dokus \u00fcber die Rgion gesehen und haben uns von den Teeplantagen, der bergigen Region, dem atemberaubenden Blick auf die Himalayas und nicht zuletzt den Menschen angesprochen gef\u00fchlt und so landete Darjeeling auf unserer Liste. <!--more-->Als wir die Reise vorbereitet haben, mussten wir uns f\u00fcr einen der zwei m\u00f6glichen Transportwege entscheiden: 17 Stunden mit dem Zug + 8 Stunden mit einer kleinen Bergbahn oder 2 Stunden Flug + eine unbestimmte Zeit im Taxi\u2026 Bequem wie wir sind, haben wir uns die 25 Stunden in Z\u00fcgen gespart und sind geflogen \ud83d\ude09 In Bagdogra (jaaa, so hei\u00dft der n\u00e4chstgelegen Flughafen) angekommen wurden wir von unserem Fahrer empfangen \u2013 er fuhr einen ernstzunehmenden Gel\u00e4ndewagen, was die Route vor uns erahnen lie\u00df. Als wir die Abholung organisiert haben, wurde uns gesagt, dass die Tour 35\u20ac kosten w\u00fcrde, was eine absolute Abzocke f\u00fcr die etwa 20 km lange Strecke ist\u2026 wir konnten ja nicht ahnen, dass es fast vier Stunden dauert um hin zu kommen! Der Fahrer hat sein K\u00f6nnen und die Kenntnis der Strecke auch gleich zu Beginn unter Beweis gestellt. Als es anfing zu sch\u00fctten wie aus Eimern fuhr er routiniert rechts ran, holte ein kleines P\u00e4ckchen, das sich sp\u00e4ter als Seife herausstellte unter dem Sitz hervor, rieb damit die Windschutzscheibe ein und fuhr weiter als ob nichts w\u00e4re \u2013 Scheibenwischer sind v\u00f6llig \u00fcberbewertet! Wir haben nichts mehr gesehen, aber der Fahrer hatte ein Bild des Dalai Lama an der Windschutzscheibe und noch ein Paar Hindu Gottheiten auf dem Armaturenbrett, wir waren also in Sicherheit :D. Je h\u00f6her wir kamen (Darjeeling liegt in 2200m H\u00f6he), desto dicker wurde der Nebel und es wurde phasenweise komplett dunkel als w\u00e4re die Sonne untergegangen, die Sicht ging runter auf unter zwei Meter und dann wurde es pl\u00f6tzlich wieder hell. Da die Stra\u00dfe sehr eng ist und man nichts sehen konnte, machen die Fahrer durch regelm\u00e4\u00dfiges Hupen auf sich aufmerksam \u2013 nervt gar nicht \u00fcber vier Stunden hinweg\u2026 Aber hey, auch wenn der Weg anstrengend war, sind wir immer noch hier und schreiben das hier, scheint also zu funktionieren. \ud83d\ude00 Nach vier Stunden erreichten wir endlich Darjeeling und das erste Gef\u00fchl war- Ist das kalt hier! Nachdem wir in Agra und Jaipur Temperaturen von \u00fcber 30\u00b0C hatten, wurden wir hier auf einmal schockgefrostet!<\/p>\n<p>Wie jedes andere Geb\u00e4ude, das wir in Indien gesehen haben war auch unser Hotel weder isoliert, noch hatte es eine Heizung. Und um die Durchl\u00fcftung zu verbessern waren in den W\u00e4nden zwischen dem Zimmer und dem Gang aber auch zwischen dem Zimmer und dem Bad Netze eingelassen (statt Wand), was die Temperatur im Hotel auf angenehme Au\u00dfentemperaturen nicht weit \u00fcber dem Gefrierpunkt regulierte. Zum Gl\u00fcck hat uns das Hotel zus\u00e4tzliche Decken und einen Heizstrahler gegeben, so dass wir uns zumindest etwas aufw\u00e4rmen konnten. Im Hotel trug jeder einfach dicke Jacken, denn selbst im Restaurant wehte ein frischer Wind.<\/p>\n<p>Wir haben beschlossen f\u00fcr vier N\u00e4chte in Darjeeling zu bleiben um vom L\u00e4rm und Staub der Gro\u00dfst\u00e4dte weg zu kommen, etwas auszuspannen und die Aussichten zu genie\u00dfen. Und Darjeeling\u00a0 ist tats\u00e4chlich ein entspanntes verschlafenes St\u00e4dtchen (f\u00fcr Indische Verh\u00e4ltnisse). Man kann hier durch die Stra\u00dfen spazieren, ohne st\u00e4ndig von irgendwelchen Verk\u00e4ufern bel\u00e4stigt zu werden, doch das Gehupe ist auch hier leider omnipr\u00e4sent. Doch was noch st\u00f6render war, war das Wetter! Denn der Nebel hat die ganze Sicht genommen und wir konnten nicht mal das andere Ende der Stadt sehen, geschweige denn die Himalayas.<\/p>\n<p>Da wir also die Natursch\u00f6nheiten nicht sehen konnten, haben wir beschlossen dem Britischen Kolonialerbe zu fr\u00f6nen und sind zu einem Hotel gelaufen, das klassischen Nachmittagstee mit Sandwiches, T\u00f6rtchen und einem Gef\u00fchl serviert als s\u00e4\u00dfe man irgendwo im Zentrum von London. Als wir da alleine in einem riesigen Raum in Kolonialstil mit gro\u00dfen Sofas, Sesseln und einem echten Kamin (der extra f\u00fcr uns angefeuert wurde) sa\u00dfen, konnten wir gut nahf\u00fchlen, wie wichtig die Briten sich gef\u00fchlt haben m\u00fcssen. \ud83d\ude00 Wir haben den Nachmittag also gut mit lokalen Teespezialit\u00e4ten und britischen Nachmittagssnacks gef\u00fcllt und haben uns seit Tagen das erste Mal richtig aufgew\u00e4rmt \u2013 eine sehr gut Art einen Schlechtwettertag zu verbringen und sich wichtig zu f\u00fchlen!<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen mussten wir mitten in der Nacht aus dem Bett (es war 03:30!!!), denn wir haben einen Ausflug zum Tiger Hill gebucht- dem h\u00f6chsten Gipfel der Gegend, der f\u00fcr spektakul\u00e4re Aussichten auf die Himalayas bekannt ist (bei gutem Wetter kann man sogar den Everest sehen) und sich vor allem zu Sonnenaufgang anbietet. Wir haben unseren Fahrer gebeten, uns schon um vier Uhr abzuholen, um vor den Menschenmassen dort zu sein, denn der Platz auf dem Gipfel ist limitiert und der Ort ist leider kein Geheimtipp. Generell scheinen alle Besucher zur gleichen Zeit an den gleichen Sehensw\u00fcrdigkeiten zu sein, so dass diese oft \u00fcberlaufen sind. Als wir oben ankamen (wir waren tats\u00e4chlich unter den ersten) war die unglaubliche Menge der Sterne, die man sehen konnte einfach atemberaubend! Wir sind vom Parkplatz zur Aussichtsplattform gelaufen und konnten das erste Mal die Milchstra\u00dfe mit den eigenen Augen sehen! Wir waren sprachlos! Um allen Besuchern einen Platz zu bieten, wurde auf dem Gipfel eine Struktur \u00e4hnlich einem Amphitheater errichtet, aber statt dort Platz zu nehmen (und uns schockfrosten zu lassen), haben wir einen lokalen Guide gefragt, wo denn die Berge am Horizont erscheinen w\u00fcrden und haben unser Stativ entsprechend ausgerichtet. Dann begann das bange Warten auf die Sonne und vor allem das Frieren, denn die Temperatur war um den Gefrierpunkt und wir haben uns kaum bewegt. Als die Sonne anfing den Himmel zu verf\u00e4rben, kamen immer mehr Besucher so dass der Gipfel irgendwann komplett \u00fcberf\u00fcllt war. Doch das seltsamste war \u2013 Alle anderen haben die Sonne bei ihrem Aufgang beobachtet und wir waren die einzigen, die davon fasziniert waren, wie die Gipfel am Horizont (inkl. Kangchenjunga, dem dritth\u00f6chsten Gipfel der Welt) langsam in warmes rotes Licht getaucht wurden. \ud83d\ude42 Dieser Ausblick machte das fr\u00fche Aufstehen und das Frieren gleich wieder wett und als wir wieder im Hotel waren, haben wir den fehlenden Schlaf nachgeholt. Ausgeruht und etwas aufgew\u00e4rmt, sind wir zum Bahnhof der ber\u00fchmten Himalaya Eisenbahn geschlendert, die im 19. Jahrhundert von den Briten dort installiert wurde und immer noch fast unver\u00e4ndert in Betrieb ist. Die alten Dampflocks sind wirklich beeindruckend, aber da wir die Strecke am Morgen bereits mit dem Jeep abgefahren sind und uns klar war, dass wir wieder nichts von der Landschaft sehen w\u00fcrden (bl\u00f6der Nebel! \ud83d\ude41 ), haben wir beschlossen keine Zeit und Geld darauf zu verschwenden und sind stattdessen f\u00fcr wieder in ein koloniales Caf\u00e9\/Restaurant gegangen um Lunch \/ Nachmittagstee zu genie\u00dfen und uns wieder etwas aufzuw\u00e4rmen. The Glenaries bietet ebenfalls eine fantastische Aussicht auf die Berge und die Teeg\u00e4rten\u2026 wenn das Wetter mal mitspielt\u2026 Wir haben einfach nur den Tee\u00a0 mit einem St\u00fcck Torte genossen.<\/p>\n<p>Eine Sehensw\u00fcrdigkeit stand noch auf unserer Liste: Die Darjeeling Seilbahn, die in einer halbst\u00fcndigen Fahrt einen H\u00f6henunterschied von ca. 1800m \u00fcberwindet und ebenfalls spektakul\u00e4re Aussichten verspricht \u2013 immerhin war das Wetter g\u00fctig zu uns und wir konnten zumindest die Teebedeckten H\u00fcgel sehen.<\/p>\n<p>\u00dcber die Tage hat sich einiges auf unserer Zimmerrechnung angesammelt, was aus unerfindlichen Gr\u00fcnden nicht mit Kreditkarte bezahlt werden konnte. Da unsere Barreserven stetig schmolzen, mussten wir langsam frisches Bargeld organisieren, was auch bisher kein Problem war, da selbst im tiefsten Dschungel Geldautomaten stehen, die ausl\u00e4ndische Kreditkarten akzeptieren. Aber Darjeeling war hier auch etwas speziell\u2026 Um die Situation zu verstehen, muss man wissen, dass einige Monate vor unserem Besuch, die gegen Korruption k\u00e4mpfende Indische Regierung beschlossen hat, einige der g\u00e4ngigsten Geldscheine \u00fcber Nacht zu entwerten. Von einem Tag auf den n\u00e4chsten wurden die Scheine ohne Vorank\u00fcndigung nicht mehr akzeptiert und Menschen verloren riesige Mengen ihrer Unter-dem-Kissen Ersparnisse. Der zweite Teil der Katastrophe bestand darin, dass die Zentralbank es verpasst hat neue Scheine in ausreichender Menge herzustellen und zu verteilen, was zu Bargeldknappheit im ganzen Land f\u00fchrte. Dieses Problem hat uns bisher nicht betroffen \u2013 bisher. In Darjeeling waren die meisten Bankautomaten nur f\u00fcr ein Paar Stunden pro Tag ge\u00f6ffnet und hatten meistens eh kein Bargeld. Das ging so weit, dass Michael am Tag vor der Abreise zu jedem Geldautomaten gelaufen ist um zu sehen, ob Geld da ist. Nachdem ihm gesagt wurde, dass die Automaten am Nachmittag Geld haben w\u00fcrden, hat er den Spaziergang wiederholt \u2013 ohne Erfolg. Die einzige Bank im Umkreis, die Geld zu haben schien, war die Staatsbank. Das konnte man daran erkennen, dass sich bereits lange vor \u00d6ffnung der Bank eine Schlange von \u00fcber 400m L\u00e4nge gebildet hat. Zum Gl\u00fcck waren wir auf so eine Situation vorbereitet und hatten US Dollar dabei, die unser Hotel mit Freude f\u00fcr uns getauscht bzw. als Zahlung f\u00fcr die Zimmerrechnung akzeptiert hat, was Michael das Schlange stehen erspart hat.<\/p>\n<p>Fr\u00fch morgens am n\u00e4chsten Tag packten wir unsere Rucks\u00e4cke und es ging weiter zu unserem n\u00e4chsten Abenteuer \u2013 Nepal!<\/p>\n<p>Oh, und noch etwas f\u00fcr die Teeliebhaber unter euch, wir m\u00fcssen leider eure Base platzen lassen: Darjeeling ist eine relativ kleine Region und es gibt nur eine begrenzte Zahl von Teeg\u00e4rten auf den Bergen. Die Wahrscheinlichkeit ist also ziemlich hoch, dass der Darjeeling Tee, den ihr so im Supermarkt kauft entweder aus den ebenen unterhalb Darjeelings (im besten Fall) oder von irgendwo ganz anders kommt.<\/p>\n<p><span class=\"embed-youtube\" style=\"text-align:center; display: block;\"><iframe loading=\"lazy\" class=\"youtube-player\" width=\"525\" height=\"296\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/NxC4ZEFd7ys?version=3&#038;rel=1&#038;showsearch=0&#038;showinfo=1&#038;iv_load_policy=1&#038;fs=1&#038;hl=en-US&#038;autohide=2&#038;start=11&#038;wmode=transparent\" allowfullscreen=\"true\" style=\"border:0;\" sandbox=\"allow-scripts allow-same-origin allow-popups allow-presentation allow-popups-to-escape-sandbox\"><\/iframe><\/span><\/p>\n<div class='photonic-error'>\n\t<span class='photonic-error-icon photonic-icon'>&nbsp;<\/span>\n\t<div class='photonic-message'>\n\t\tGoogle has deprecated the Picasa API. Please consider switching over to Google Photos\n\t<\/div>\n<\/div>\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Darjeeling ist bekannt f\u00fcr hervorragenden Tee aber dennoch versteckt genug so dass nur wenige westliche Touris ihren Weg dorthin finden \u2013 zwei hervorragende Gr\u00fcnde f\u00fcr uns Teeliebhaber hin zu fahren und zu versuchen einen Blick auf die Himalayas zu erhaschen. 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